Innovation

ORGANON ter­mi­no­logy tool­box (von gr. ὄργανον: Werkzeug) ist ein Instrument zur Orientierung in der Landschaft inter­dis­zi­pli­när rele­van­ter Begriffe und Theorien. Mit weni­gen Blicken fin­den Sie hier einen Überblick über rele­vante Diskurse, Grundlagentexte und wei­ter­füh­rende Links.

INNOVATION

Version 1.1 (10.10.2017; erhal­ten am: 09.05.2017)

Autor: Christian Barth

Zum Wort
Vom lat. inno­vare (erneu­ern) abstam­mend wer­den unter Innovationen Neuerungen oder Erneuerungen ver­stan­den, die vor allem Gesellschaft, Politik, Wirtschaft oder Technik betref­fen und in Fachdisziplinen wie der Soziologie, Politikwissenschaft, Ökonomie, Technikphilosophie und ver-schie­de­nen Geschichtswissenschaften unter­sucht wer­den. [CB]

Inhalt
  1. Diskurse und Kontexte











  2. Literatur zum Begriff
  3. Weiterführende Links

  1. Diskurse und Kontexte
    1. In der Ökonomie spielt der Begriff der Innovation eine zen­trale Rolle. Nach Joseph SCHUMPETERS Innovationstheorie stel­len inno­va­tive Unternehmer die maß­geb­li­chen Antreiber für wirt­schaft­li­ches Wachstum in moder­nen Marktwirtschaften dar (SCHUMPETER 1912). Über Innovationen hat der Unternehmer die Möglichkeit, eine zumin­dest kurz­fris­tige Monopolstellung am Markt zu erlan­gen, die ihm aller­dings von imi­tie­ren­den Konkurrenten strei­tig gemacht wird. Von Produktinnovationen unter­schei­det SCHUMPETER orga­ni­sa­to­ri­sche Innovationen im Unternehmen und Verfahrensinnovationen der Herstellung. Von dem eigent­li­chen Innovationsprozess grenzt SCHUMPETER die vor­gän­gige Inventionsphase und die nach­fol­gende Verbreitungsphase ab. Everett ROGERS teilt unter­neh­me­ri­sche Innovationsprozesse in sechs Phasen ein, die auch die Verbreitung ein­schlie­ßen: Problem- bzw. Bedürfniserfassung, Forschung, Entwicklung, Kommerzialisierung, Verbreitung und Innovationsfolgen. Den typi­schen Verbreitungsverlauf (5. Phase) von Innovationen ver­sucht ROGERS kom­mu­ni­ka­ti­ons­theo­re­tisch zu erklä­ren (ROGERS 2003). In der Nachkriegsökonomie sind zudem eine Reihe von Modellen ent­wi­ckelt wor­den, wel­che die wesent­li­chen Aspekte von Produktinnovationen erfas­sen sol­len. Roy ROTHWELL zeich­net die fol­gende Abfolge von Modellen zwi­schen den 1960er und 1990er Jahren nach: (1) „tech­no­logy push“-Modell (späte 1950er und 1960er Jahre); (2) „need pull“-Modell (zweite Hälfte der 1960er Jahre); (3) „cou­pling model“ (1970er und 1980er Jahre); (4) „inte­gra­ted model“ (1980er Jahre); (5) „sys­tems inte­gra­tion and net­wor­king model“ (1990er Jahre). Die Abfolge die­ser Modelle reflek­tiert Befunde aus empi­ri­schen Untersuchungen und zeich­net ver­mu­tete Veränderungen in den öko­no­mi­schen Innovationsprozessen der ent­spre­chen­den Zeitspannen nach. [CB]

      Quellen:
      SCHUMPETER, Joseph. Theorie der wirt­schaft­li­chen Entwicklung. Leipzig 1912.
      ROGERS, Everett M. Diffusion of Innovations. New York 2003.
      ROTHWELL, Roy. „Successful indus­trial inno­va­tion: cri­ti­cal fac­tors for the 1990s“. In: R&D Management 22.3 (1992), 221–239.
    2. Im kul­tur­wis­sen­schaft­li­chen Diskurs wer­den Innovationen zur Erklärung kul­tu­rel­len Wandels her­an­ge­zo­gen. Homer G. BARNETT unter­sucht in sei­nem Grundlagenwerk Innovationsprozesse, die zu kul­tu­rel­lem Wandel füh­ren, deren Bedingungen und Konsequenzen (BARNETT 1953). Während sich der Innovationsbegriff im öko­no­mi­schen Diskurs auf Produkte, betrieb­li­che Organisation und Herstellungsverfahren bezieht, ver­wen­det der kul­tur­wis­sen­schaft­li­che Diskurs einen weit­aus all­ge­mei­ne­ren, men­ta­len Innovationsbegriff. Jede neue Idee wird hier bereits als eine Innovation auf­ge­fasst, wobei die Ideen nur unter Umständen Ausdruck im Verhalten oder in her­ge­stell­ten Gegenständen fin­den (BARNETT 1953, 7). Ein ähn­lich all­ge­mei­ner Begriff von Innovation fin­det sich auch bei ROGERS, der aller­dings dar­auf hin­weist, dass Innovationen nur als neu emp­fun­den wer­den, aber nicht neu sein müs­sen (ROGERS 2003, 36). [CB]

      Quellen:
      BARNETT, Homer G. Innovation: The Basis of Cultural Change. New York 1953.
      ROGERS, Everett M. Diffusion of Innovations. New York 2003.
    3. In der Soziologie wer­den vor allem die Verbreitung und die Effekte von erfolg­rei­chen Innovationen unter­sucht. Der Grund für diese Schwerpunktsetzung ist darin zu suchen, dass erst durch die Diffusion gesell­schafts­weite und somit sozio­lo­gisch rele­vante Effekte ent­ste­hen. Dies bedeu­tet, dass die Diffusionsphase von Innovationsprozessen fokus­siert wird, wäh­rend die frü­he­ren Phasen von Innovationsprozessen außen vor blei­ben. [CB]

    4. In der Archäologie sind die ers­ten Phasen von Innovationsprozessen im empi­ri­schen Befund kaum greif­bar. Das archäo­lo­gi­sche Forschungsinteresse gilt daher vor allem der Phase der Verbreitung, das sich in der raum­zeit­li­chen Verteilung archäo­lo­gi­scher Funde able­sen lässt. [CB]
  2. Literatur zum Begriff
  3. DOSI, Giovanni. „Technological para­digms and tech­no­lo­gi­cal tra­jec­to­ries“. In: Research Policy 11 (1982), 147–162.
    FINLEY, Moses I. „Innovation and Economic Progress in the Ancient World“. In: The Economic History Review 18.1 (1965), 29–45.
    BLÄTTEL-MINK, Birgit, (Hrsg.). Kompendium der Innovationsforschung. Wiesbaden 2006.
  4. Weiterführende Links

PDF Zitiervorschlag: Christian Barth, „Innovation“, Version 1.1, 10.10.2017, ORGANON ter­mi­no­logy tool­box, Berlin: eDoc-Server der Freien Universität Berlin.

PDF DOI: http://dx.doi.org/10.17169/
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