Invention

ORGANON ter­mi­no­logy tool­box (von gr. ὄργανον: Werkzeug) ist ein Instrument zur Orientierung in der Landschaft inter­dis­zi­pli­när rele­van­ter Begriffe und Theorien. Mit weni­gen Blicken fin­den Sie hier einen Überblick über rele­vante Diskurse, Grundlagentexte und wei­ter­füh­rende Links.

INVENTION

Version 1.2 (10.10.2017; erhal­ten am: 25.04.2017)

Autor: Christian Barth

Zum Wort
Das lat. inve­nire (wörtl. zu etwas gelan­gen, zu etwas hin­kom­men) bezeich­net all­ge­mein das Finden von etwas, wobei das Finden sowohl die Form eines schöp­fe­ri­schen Erfindens als auch die eines Entdeckens anneh­men kann. In der Neuzeit schränkt sich die Bedeutung auf das schöp­fe­ri­sche Er-fin­den ein, das wie­derum vor allem auf tech­ni­sche Kontexte bezo­gen wird. [CB]

Inhalt
  1. Diskurse und Kontexte

















  2. Literatur zum Begriff
  3. Weiterführende Links

  1. Diskurse und Kontexte
    1. Eine pro­mi­nente Rolle spielt der Terminus inve­nire in der anti­ken Rhetorik, in der die ars inve­ni­endi die Kunst der Gestaltung über­zeu­gen­der Rede ist. Sie betrifft vor allem das Finden von Argumenten, die eine erwar­tete Hörerschaft über­zeu­gen sol­len (CICERO, De Inventione). [CB]

      Quellen:
      CICERO. Über die Auffindung des Stoffes/De Inventione: Lateinisch – Deutsch. Hrsg. von Theodor Nüßlein. Düsseldorf/Zürich 1998.
    2. Wie sich bei Francis BACON fest­stel­len lässt, ver­schiebt sich die Bedeutung des latei­ni­schen inven­tio in den neu­zeit­li­chen Diskursen über Kunst, Wissenschaft und Technik in Richtung Erschaffung und Entdeckung von etwas Neuem (BACON 1996, 222–223). Inventionen sind nun in den Künsten, den Wissenschaften und der Technik anzu­tref­fen, nicht aber mehr in der Rhetorik, in der bereits Gewusstes (Gefundenes) nur zu über­zeu­gen­den Argumenten zusam­men­ge­fügt wird. [CB]

      Quellen:
      BACON, Francis. The Major Works. Edited with an Introduction and Notes by Brian Vickers. Oxford/New York 1996.
    3. Seit dem 19. Jahrhundert wer­den unter Inventionen vor allem Erfindungen ver­stan­den, die von Entdeckungen unter­schie­den wer­den (KNEALE 1955). Zudem wird der Erfindungsbegriff seit­dem vor­nehm­lich im Kontext tech­ni­scher Geräte ver­wen­det. In der Technikgeschichte spielt der Begriff der Invention ent­spre­chend seit dem 19. Jahrhundert eine zen­trale Rolle. [CB]

      Quellen:
      KNEALE, William C. „The Idea of Invention“. In: Proceedings of the British Academy 41 (1955), 85–108.
    4. In der Archäologie wer­den tech­ni­sche Erfindungen als Ausgangspunkte von Innovationsprozessen ange­spro­chen. Da die Inventionsprozesse und ihre Resultate jedoch in der Regel keine Spuren im archäo­lo­gi­schen Befund hin­ter­las­sen, ent­zie­hen sie sich der empi­ri­schen Untersuchung. Inventionen sind nur indi­rekt greif­bar, wenn sie zu Innovationen geführt haben, deren raum­zeit­li­che Ausbreitung (Diffusion) sich im archäo­lo­gi­schen Befund abzeich­net. Der Innovationsbegriff ist daher im archäo­lo­gi­schen Diskurs pro­mi­nen­ter als der Begriff der Invention. [CB]

    5. Der psy­cho­lo­gi­sche Diskurs zur Erklärung von Inventionen nimmt auf beson­dere Fähigkeiten der Kreativität Bezug. Beginnend mit der Renaissance und bis ins 19. Jahrhundert wurde diese Fähigkeit in ihrer höchs­ten Ausprägung mit einem ange­bo­re­nen Genius iden­ti­fi­ziert (Geniebegriff), über den nur wenige, krea­tive Personen ver­fü­gen. In der neue­ren Kreativitätsforschung wird die Fähigkeit zu Inventionen im Rahmen der Kognitionswissenschaft unter­sucht. Das Forschungsprogramm der Creative Cognition ver­folgt das Ziel, die kogni­ti­ven Prozesse, Zustände, Fähigkeiten und Rahmenbedingungen zu iden­ti­fi­zie­ren, die Kreativität ermög­li­chen (FINKE, WARD und SMITH 1992). [CB]

      Quellen:
      FINKE, Ronald A., WARD, Thomas B., und SMITH, Steven M. Creative Cognition: Theory, rese­arch, and app­li­ca­ti­ons. Cambridge (Mass.)/London 1992.
    6. In der Ökonomie wird auf tech­ni­sche Erfindungen als Ausgangspunkt für tech­ni­sche Innovationen Bezug genom­men. Im Unterschied zu Innovationsprozessen umfas­sen Inventionsvorgänge keine Phasen der (ver­viel­fäl­ti­gen­den) Produktion und der Diffusion. Inventionsvorgänge sind mit der Konstruktion des neuen, funk­ti­ons­tüch­ti­gen Geräts abge­schlos­sen. Eine Invention kann durch eine Privatperson oder in Unternehmen in Abteilungen der Forschung und Entwicklung erfol­gen. Im zwei­ten Fall sind sie Teil eines unter­neh­me­ri­schen Plans, ein neues Produkt her­vor­zu­brin­gen oder schon vor­han­dene Produkte zu ver­bes­sern. [CB]

    7. Im juris­ti­schen Diskurs zum Patentrecht sind tech­ni­sche Erfindungen Gegenstand recht­li­chen Schutzes. Als Patentinhaber erhält der Erfinder das Recht, ande­ren die Herstellung und Nutzung der Erfindung in einem gewis­sen Zeitraum zu unter­sa­gen. Was als paten­tier­bare tech­ni­sche Erfindung gilt, wird bei­spiels­weise in §1 und §1a des deut­schen Patentgesetzes sowie in §52 des euro­päi­schen Patentübereinkommens gere­gelt. [CB]

      Quellen:
      §1, §1a PatG
      §52 EPÜ
  2. Literatur zum Begriff
  3. WIENER, Norbert. Invention: The Care and Feeding of Ideas. Cambridge (Mass.)/London 1993.
  4. Weiterführende Links
  5. Eine alpha­be­ti­sche Liste wich­ti­ger Erfindungen:
    https://www.thoughtco.com/famous-inventions-adhesives-to-automobile-1991227
    Eine chro­no­lo­gi­sche Liste wich­ti­ger Erfindungen:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Timeline_of_historic_inventions

PDF Zitiervorschlag: Christian Barth, „Invention“, Version 1.2, 10.10.2017, ORGANON ter­mi­no­logy tool­box, Berlin: eDoc-Server der Freien Universität Berlin.

PDF DOI: http://dx.doi.org/10.17169/
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